Klubnacht - Macro Nacht + Interview

  • Der Amsterdamer Dylan Hermelijn alias 2000 And One ist seit gut zwanzig Jahren eine Topadresse wenn es um Techno und House geht. Mit 100% Pure, Remute Area und angeschlossenen Sublabels ist er zudem noch ein Ziehvater einer jungen holländischen Szene, die in den letzten Jahren ein äußerst tanzbares Gebräu aus allen verwertbaren Detroit/Chicago/Berlin-Essenzen produzieren. Mit "Heritage" hat Hermelijn gerade ein Vierfach-Vinyl- Album am Start, das die ganze Bandbreite seiner Drummachine-Kunst zeigt. Auch live: state of the art! In der Panorama Bar gibt es heute die erste Nacht mit Stefan Goldmann und seinem Label Macro. Darauf funktioniert es ja prächtig, das Miteinander von Ernst und Unterhaltung. Wobei letzteres heute wohl eher im Fokus stehen dürfte: neben Stefan werden auch Olive Ho alias Raudive und der Detroiter Santiago Salazar alias DJ S2 aus dem underground Resistance Camp spielen. Interview Norman Nodge Bitte stelle dich vor. Hallo, ich bin Norman, 35 Jahre alt und lebe in Berlin. Neben deinem monatlichen Gig im Berghain bist du so gut wie gar nicht im Berliner Partyleben präsent. Ist es deinem Tagesjob als Anwalt geschuldet, dass du dein Auflegen so rationierst? Es ist mehreren Umständen geschuldet. Sicher ist der Job einer davon. Meine Familie ist auch ein sehr wichtiger Grund. Ich bin nicht Vater geworden, um nur sehr selten für meine Kinder da zu sein. Hinzu kommt, dass ich nur nachts produziere. Es ist dann meist so, dass ich eher an meinen Tracks schraube, als auszugehen. Umso mehr genieße ich es, wenn ich dann wieder ins Nachtleben eintauche, sei es als DJ oder Gast. Wo hast du vor deiner Residency im Berghain aufgelegt? Seit Anfang der neunziger Jahre habe ich im Berliner Umland Partys organisiert, hier und da aufgelegt und eifrig Platten gesammelt. Aus dieser Zeit rührt auch meine Verbundenheit mit dem Hard Wax und Freunden wie Marcel Dettmann, André Lodemann und Marcel Fengler. Letztlich war mit der Residency im Berghain ein kompletter Neustart als DJ verbunden, nachdem ich etwa seit dem Ende der neunziger Jahre fast gar nicht mehr aufgelegt hatte. Deine zwei Maxis auf MDR haben einen ziemlich speziellen Sound. Was ist dein eigener Anspruch an die Musik, die du veröffentlichst? Mir ist wichtig, dass Tracks lange interessant bleiben, so dass man auch nach mehrfachem Hören Neues entdeckt. Ich produziere sehr Loop-basiert. Mich reizt es, Elemente zu verwenden, die an sich nicht passen, die sich dann aber dennoch einfügen. Dabei lasse ich dann einzelne Loops ewig laufen, bis sie mir eigentlich auf den Sack gehen müssten. Und erst wenn sie es nicht tun, geht es ans Arrangieren. Es gibt seit einiger Zeit wieder erfreulich viele gute Techno-Platten, die meisten kommen allerdings auch aus dem Hard Wax/Berghain Umfeld. Wie siehst du die aktuelle Situation? Es ist schon witzig, wenn man woanders auflegt und der DJ vor einem schon die kompletten Veröffentlichungen von OstGut Ton und Labels, die man mit dem Berghain und dem Hard Wax verbindet, spielt. Das macht die Sache insofern einfach, dass ich diese Platten bei Auswärts-Gigs getrost zu Hause lassen kann. Aber im Ernst: Das Hard Wax und der Techno, den viele damit assoziieren, war schon immer prägend für mich gewesen. Insofern freut es mich, dass dieser Sound gerade heute so positiv aufgenommen wird. Davon abgesehen gibt es immer tolle Platten zu entdecken. Man muss neugierig sein. Du spielst meistens am Anfang einer Berghain-Nacht. Was reizt dich an den ersten Stunden? Die Frühschicht hat sich einfach so ergeben. Ich finde es immer spannend, in den leeren Club zu kommen und mitzuerleben, wie er sich füllt und die typische Stimmung einer Berghain-Nacht entsteht. Daneben gibt mir die Zeit am Anfang Gelegenheit, Musik aufzulegen und laut zu hören, die zur Prime-Time oder später schwer anzubringen wäre. Auch mag ich das ganze Drumherum am Anfang, dabeizusein, wenn die Leute von der Tür, Bar und Garderobe eintrudeln und auf eine tolle Nacht anstoßen. Was sind deine absehbaren Pläne für die Zukunft? Nach meiner Babypause im April und Mai möchte ich weiterhin dosiert auflegen, die eine oder andere Platte veröffentlichen und ein paar Spuren auf der musikalischen Landkarte hinterlassen. Außerdem werde ich weiter nach der ultimativen Formel für die ideale Kombination von Anwaltsjob, Familie und DJ/Produzent mit jeweils optimaler Nutzung der vorhandenen Zeit bei gleichzeitiger Gewährleistung von zehn Stunden Schlaf täglich forschen. Norman Nodge spielt am Samstag, den 28. März im Berghain.
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