Heiliger Bimbam

  • Schlechte Zeiten erfordern gute Taten. Nein, nicht persönlichen Aktienverluste sollen an dieser Stelle getröstet werden, diesmal geht es um Leute, denen es wirklich schlecht geht. Während wir nämlich von besseren Tagen im letzten Jahr sprechen, weil wir damit fertig werden müssen, dass es dieses Jahr eben nur einen I-POD Shuffle zu Weihnachten gibt, geht es anderen wirklich schlecht. Ja, beschissen. Ts, ts, Kinder, Kinder, niemand will hier mit dem erhobenen Zeigefinger kommen, es ist nur an der Zeit, sich selbst in einer globalisierten Welt bei den Gewinnern zu verorten und in der Konsequenz bereit zu sein, was abzugeben. Eine kleine Spende, kaum spürbar, die ganz nebenher passiert, beim Ausgehen quasi, an die man sich am nächsten Tag vielleicht gar nicht erinnert, die einen trotzdem aber zu einem besseren Menschen macht, das Karma in die Höhe treibt und selbst wenn man alles vergessen hat für dieses warme Gefühl in der Magengegend sorgt. Es ist Weihnachten, die Zeit der Liebe. Um es kurz zu machen: Der gesamte Erlös, all the money we make at the door, wird gespendet. Nach Afrika. In den Kongo. Für den eher uninformierten Raver ist es in diesem Zusammenhang vielleicht nicht uninteressant, dass sich die Demokratische Republik Kongo in einem gelinde gesagt verheerenden Zustand befindet, und das seit Jahren. Die Zahl der Opfer des nun schon seit mehr oder minder seit 1994 im Gange befindlichen Krieges übertrifft die aller anderen Konflikte seit dem 2. Weltkrieg weltweit. Täglich erreicht eine Vielzahl von Frauen die Flüchtlingslager, die aufs Übelste misshandelt, verstümmelt und vergewaltigt wurden. Da diese Frauen nach den Misshandlungen oft nicht mehr in ihre Familien aufgenommen werden, wissen sie, von ihren Männern verstoßen, nicht mehr wohin. Die körperlichen und psychischen Verletzungen, die diese Frauen davon tragen, sind sehr schwer zu heilen und ihre Masse wächst täglich. Zwei kleinere Hilfsorganisationen aus Baden-Württemberg, KINDER BRAUCHEN FRIEDEN und DIFÄM, arbeiten seit Jahren in diesem Gebiet und versuchen, neben einer psycho-sozialen und medizinischen Betreuung, auch durch den Bau von festen Einrichtungen, Unterstützung zu bieten. Für diese Einrichtungen sammeln wir, weil die ohne umständliche Umwege oder obskure anonyme Organisationen, direkt dort hingehen, wo das Geld nachher landen soll... deshalb dieser Weg. Für dieses Projekt haben sich entsprechend einige unserer Lieblingskünstler bereiterklärt, für nen Appel und n Ei vorbeizuschauen, damit auch ordentlich was zusammenkommt. AGNÈS Live hätten wir da im Gepäck, den Kopf von STHLM AUDIO, einer der nettesten Menschen die man je gesehen hat, mit einem so wunderbar deepen Housesound in den Taschen. Und obwohl sich das bei seinen Releases immer so smooth anfühlt, drehen seine Live-Acts gerne mal die Welt auf den Kopf und nehmen den Laden auseinander, wie er das im Juni diesen Jahres ja schon bewiesen hat, hehe. Als RAY VALIOSO rollt er manchmal dann verdeckt das Feld von hinten auf und zeigt im neuen Housediskurs zwischen Oslo und Cecille wo der Hammer eigentlich hängt. Hört einfach mal in die „Particles EP“ auf REAL SOON rein und ihr werdet verstehen... Dazu kommt zum ersten Mal ZANDER VT, d.h. der FRITZ ZANDER kommt, seinen VT lässt er in Berlin. Ganz groß, die Releases dieser beiden auf BPITCH und MEMO, wie „Far from Jaded“, „Dig Your Own Rave“ oder letztens diese unfassbare Nummer „Get Up“. Perfekt produziertes Ricardo Drumwork mit dem Rave unterm Bodenblech, diesem ziehenden und zerrenden BPITCH Dröhnen, dass sich doch irgendwie weich ums Bein schmiegt. Aber trotzdem halt irgendwie Chicago. Ja, das geht. Mehr Party geht nicht. Oh und natürlich den BENNO BLOME, unser Lieblingstechnoist. Bei dem ist Techno einfach Techno. SENDER RECORDS war eh immer die Schmiede für einen Sound, den man im besten Sinne kompromisslos nennen muss. Nicht weil es da nur Brett gäbe, ganz im Gegenteil. Der reduzierte Techno des BENNO BLOME und seiner Kumpanen ist eigentlich so erfüllt von einem berlinesken Groove, dass einem schon mal das Kniegelenk aus der Verankerung springen kann, wenn der die Hi-Hat reindreht. Ich sag nur BAR 25, wo der BENNO am liebsten die Platten hintereinander legt, nachdem er das Watergate in den Erdboden gerockt hat. Und als ob damit nicht genug wäre, spielen sich auch noch BENNA und MAXIM 3.0 die schwarzen Scheiben in die Hand, alles für den guten Zweck, die süßen kleinen Weihnachtsraver. Also liebe Leute, kommt und spendet. Wo kann man denn sonst Party zu solch erlesenen Klängen machen und dabei auch noch Gutes tun? Aber vorsicht: Heute ist die „Nette Leute Party“! Nur nette DJs, gute Zwecke und nette Gäste...
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