Sub:stance + Interview

  • Auch bei der dritten Sub:stance Ausgabe gibt es wieder Bass, Bass und nochmals Bass. Bevor es wie gewohnt mit der momentan wohl wichtigsten kontinentaleuropäischen Dubstep-Party losgeht, wird der britische Querkopf Kevin Martin alias The Bug mit den MC s Warrior Queen und Flowdan live spielen: betonschwerer, wüster, schroffer Electro-Dancehall. Als alte Dub-Eminenz (Martin verfolgt schon seit den Neunzigern mit Projekten wie Techno Animal, Ice, God oder Curse Of The Golden Vampire die Verbindungslinien von Dub, Free Jazz, Death Metal und HipHop) war er sicher auch Vorbild für die jüngere Dubstep-Generation, die sich aktuell auch mit Remixen bei ihm bedankt. Nach dem Konzert ist vor der Party, dieses Mal mit Kode9, Martyn, Scuba, Ramadanman und Robotic. Auch in der Panorama Bar gibt es heute Bass satt, aber mit geradem Schlag: Miss Kittin ist wie bekannt eine strenge Verfechterin der effektiven Kickdrum – komplettiert von Steffi und dem Dänen Martinez. Interview Scuba Bitte stelle dich vor. Ich heiße Paul Rose und betreibe das Label Hotflush. Außerdem produziere und lege ich auf unter dem Namen Scuba. Wie beschreibst du deinen Sound Menschen, die von der Materie keine Ahnung haben? Dubstep ist ein Sound, der sich ursprünglich aus der düsteren Seite von UK Garage entwickelt hat, aber eine große Bandbreite an Einflüssen zulässt wie Jungle, Electro, Techno und natürlich auch Dub. Meine Musik als Scuba beinhaltet auch all das, wobei ich in letzter Zeit zunehmend an dem Crossover mit Techno interessiert bin. Einer der besten Aspekte an Dubstep ist, dass sich diese Musik immer noch am Entwickeln ist und man eine Menge Freiheit hat, zu experimentieren und den Sound mitzugestalten. Du bist außerdem einer der Veranstalter der Sub:stance Party im Berghain. Warum veranstaltet ihr die Party in Berlin und nicht in London? Ich lebe jetzt ein Jahr in Berlin und bin von London weggezogen, weil ich dort einfach gelangweilt war. Berlin hat eine solch lebendige Szene, dass es keine Frage war, dass ich hierherziehen werde. Auch wenn es schon ein paar wirklich gute Dubstep-Nächte wie Freak Camp und Bass The World hier gab, fehlte noch eine wirklich große Party wie Sub:stance. Das Berghain ist der beste Club, in dem ich jemals war, also war die Chance hier eine eigene Nacht zu gestalten, natürlich umwerfend. Und bisher lief auch alles sehr gut! In den einschlägigen Dubstep-Foren organisieren sich Leute aus ganz Europa, die speziell zu euren Partys nach Berlin gereist kommen. Gibt es gerade eine echte Gründerzeiteuphorie bei den Leuten? Momentan ist wirklich eine tolle Zeit für Dubstep! Viele Leute machen gerade ihre erste Erfahrung mit der Musik in der richtigen Umgebung, das heißt einem Club mit einem großartigen Soundystem. Nur so macht die Musik wirklich erst Sinn. Alles ist eben noch relativ neu, es gibt viele verschiedene stilistische Aspekte zu entdecken und das macht eben auch Spaß. In der Lage zu sein, in einem Club wie dem Berghain unsere Party zu machen, hat natürlich auch viele Leute neugierig auf den Sound gemacht, die sich ansonsten vielleicht nicht dafür interessiert hätten. Wie du bereits bemerkt hattest, gibt es auch ein ausgeprägtes Dubstep-Techno Crossover, Berliner wie Marcel Dettmann oder Substance haben Tracks auf deinem Label geremixt. Wirst du diese gegenseitige Befruchtung weiterhin forcieren? Ich denke, das Tolle an Dubstep ist die stilistische Vielfalt. Es gibt zwar einen bestimmten ravigen Sound, den viele Leute mit Dubstep assoziieren, und manche mögen auch denken, das wäre auch alles, was Dubstep zu bieten hat. Natürlich gibt es in jeder Musikrichtung gute und schlechte Beispiele! Wenn ich von dem ausgehe, was ich mit meinem Label veröffentliche, gibt es schon einen speziellen Sound, den ich wirklich gerne mag. Aber wenn es um unsere Party geht, wollen wir uns nicht nur auf die Techno-Crossover-Sachen beschränken, sondern die ganze Palette der Musik zeigen. Siehst du die Gefahr, dass Dubstep eines Tages die gleiche Entwicklung wie Drum’n’Bass durchlaufen könnte und durch zu viel Härte die Frauen wieder von der Tanzfläche verscheucht? Wie bei jeder anderen Musikrichtung auch liegt es an allen Produzenten, Labelbertreibern und Vertrieben, dafür zu sorgen, dass gute Musik in Umlauf gebracht wird und man nicht immer wieder in die gleichen Fallen tappt. Natürlich ist es nicht immer ein einfacher Weg, aber es gibt so viele talentierte Leute da draußen, die mit ihren Ideen von Anfang an Dubstep nach vorne gepuscht haben, dass ich wirklich optimistisch bin, in welcher Art sich die Zukunft gestalten wird. Die Sub:stance Party findet am Freitag, den 16. Januar im Berghain statt.
  • Sub:stance + Interview - Flyer front
    Sub:stance + Interview - Flyer back