Klubnacht - Cheap Nacht + Interview

  • In der Panorama Bar gibt es heute eine Nacht mit dem österreichischen Cheap Label: spezielle Musik von speziellen Leuten. 1993 in Wien von Patrick Pulsinger und Erdem Tunakan gegründet, waren sie für viele Jahre für einen derb-morbiden Humor und fantastisch durchgeknallten Platten von unter anderem iO, Christopher Just, Sluts’n’Strings & 909 und Gerhard Potuznik verantwortlich. Gerade Pulsinger balancierte gekonnt zwischen Detroit, Jazz und Augsburger Puppenkiste. Dass er sein DJ-Handwerk nicht verlernt hat, zeigte er bei seinem letzten Gig bei uns, wo wir alles andere als Standartsound zu hören bekamen – lovely! Mit dabei sind heute neben ihm DJ Failex, DJ Glow und Diskokaine. Und wem das nach zu viel (Italo-)Trash klingt, kann sich derweil ja unten bei Luke, Len und Tom verlustieren oder warten, bis Âme und Tama Sumo gegen mittags die Regler übernehmen. Interview Diskokaine Bitte stelle dich vor. Mein Name ist Wolfram, rückwärts marfloW. Du nennst dich selbst und dein Label Diskokaine – warum? Peaches erzählte mal von einem Drink namens Champkaine mit „Zucker“ am Rand... klang lecker, aber der „Zucker“ am Rand schmeckt leider nicht süß. Und ich dachte mir, was Schlechteres als „Diskokaine“ fällt mir sicher nicht ein. Und mit nur einem „s“ statt „ss“ geschrieben, disse ich die Freunde des weißen Stoffes auch nicht . Desweiteren brauchte ich dringend nen Namen, als ich mit Princess Superstar meine erste Platte machte. Kein Label wollte es, weil ichs damals nicht besser konnte als jetzt. Dann releaste ich es selbst, jedoch für einen weiteren peinlichen Namen fürs eigene Label fehlte mir offenbar die Kreativität. Du schaust immer topmodern angezogen aus– welchen Stellenwert hat Fashion für dich? Danke, aber das ist Zufall, da ein paar Freunde Fashiondesigner sind: Wendy&Jim, Petar Petrov, Elizaveta [email protected] Simons...und ich ab und zu Musik für Petars Shows in Paris mache. Momentan kickt mich grad die Zusammenarbeit mit DJ Funk von Dancemania aus Chicago für eine Single. Seine Vocals passen irgendwie zu Fashion aber auch zu „Ass&Tutties“. Warum ist Italo Disco solch eine ever lasting love? Eventuell nur, weil es mich an meine Jugend erinnert und ich emotional daran hänge. Familienurlaub mit Rondo Veneziano, Tullio de Piscopo, Savage und Scotch Mixtapes auf der Autostrada nach Süditalien. Surfbrett von Papa am Dach und Zelt im Kofferraum. Mama hysterisch vorne rechts mit Straßenkarte und mein Bruder neben mir knapp vorm Hitzekollaps. Ich und Papa wippend zum Beat am Abgas dieser Zeit. Abgas, weil am Puls der Zeit beziehungsweise voraus waren ja damals andere Formationen wie Kraftwerk oder Art of Noise. Den Schund von damals schleuder ich heute den Leuten um die Ohren. Auf welchen Aspekt des Nachtlebens kannst du auf keinenFall verzichten? Auf den Schweiß. Aber die Musik ist manchmal auch gut. Auf ein großes Oevre kannst du mit einer Platte nicht gerade zurückblicken, aber Moby durftest du remixen. Wie kams? Er hörte wahrscheinlich eine Sally Shapiro Nummer von meinem Label, die ich nicht produzierte und daraufhin schrieb er mir eine email, dass er ein Album macht und mich gern als Remixer für seine Single hätte. Seitdem sind wir in Kontakt und schicken uns perverse Fotos. Welche Klischees über Wien kannst du bestätigen, welche nicht? Ganz Wien ist auf Kokain – stimmt fast!Ganz Wien ist auf Diskokaine -–noch nicht! Diskokaine spielt am Samstag, den 22. November in der Panorama Bar.