Prepare Yourself + Interview

  • Eine Nacht vor dem CSD haben wir in der Panorama Bar schon dementsprechende Vorkehrungen getroffen und mit Tiga, Boris und Oliver Deutschmann drei DJs angeheuert,von denen jeder für sich für eine spezielle Form von House steht. Boris, kennen wir. Je nach Wetterlage heißt das House, Techno, Disco oder Hi-NRG –so genau weiß man das ja nie vorher. Relativ neu bei uns ist Oliver Deutschmann, ein DJ, Produzent (Gowentgone) und Labelbetreiber (Vidab) aus Berlin, der deepen House und Techno spielt. Erstmalig bei uns, aber ansonsten wohl bekannt dürfte der kanadische Marc Almond Wiedergänger Tiga sein. Dessen aktuelle Tour heißt “Escape from the Main Room”, was in diesem Fall wohl augenzwinkernd gemeint ist, wenn man sich anhört, was für ein Pop-Programm Tiga in den letzten Jahren gepusht, gespielt und veröffentlicht hat. Wir meinen: genau das richtige, um sich heute schon mal in Wallung zu bringen. Interview Tiga Bitte stelle dich vor. Mein Name ist Tiga James Sontag III, ich lebe in Montreal. Meine Lieblingsfarbe ist Schiefergrau. Ich mag Musik und Tanzen und sammel Uhren. Wie geht’s dir in Montreal? Mir geht’s hier gut, auch wenn ich gar nicht so viel Zeit in der Stadt verbringe. Wenn ich dann mal zuhause bin, geh ich eigentlich kaum vor die Tür. Manchmal spaziere ich im Park. Im Prinzip führe ich das Leben eines exzentrischen Einsiedlers. Ich werde richtig sauer, wenn jemand an meiner Haustür klingelt und ich hasse den Briefträger. Ich bin die meiste Zeit am Reisen und in Europa, also bin ich auch nicht unbedingt dazu qualifiziert, etwas über Montreals Nachtleben zu sagen. Aber ich liebe die Stadt noch immer, es ist ein sehr spezieller Ort, eine Insel in Nordamerika und meine Heimat. Deine DJ-Tour läuft unter dem Motto “Escape from the Main Room”. Was hat es damit auf sich? Vor drei Jahren, als ich mein erstes Album veröffentlicht hatte, wurde ich mehr und mehr in große Clubs und auf Festivals gebucht. Davor war ich hauptsächlich in kleinen Clubs zuhause. Ich habe dann auf vielen großen Partys gespielt, teilweise, um mein Album zu promoten, teilweise, um mehr Geld zu verdienen – aber ich habe es nicht besonders gemocht. Je größer die Party, desto größer auch der musikalische Kompromiss. Also hab ich diese Tour unter dem Slogan als eine Art Flucht vor den Mega-Partys geplant, eine Rückkehr zu einer Umgebung, in der ich mich auch wohl fühle. In den letzten zwei Jahren wurde es etwas ruhiger, was deinen musikalischen Output angeht. Wie ist dein Blick auf das momentane Musikgeschehen? Ich hatte in einem kurzen Zeitabschnitt eine Menge Musik produziert, der Höhepunkt war die Veröffentlichung meines Albums “Sexor” 2006. Danach hab ich einfach eine Pause gebraucht. Außerdem hab ich meine Remixes runtergefahren und meine Ideen lieber in eigene Stücke gesteckt. Ich habe jetzt fast das Nachfolgealbum fertig, die Ruhe wird also bald vorüber sein. Momentan genieß ich das Musikbusiness sehr, es ist eine aufregende Zeit. Es gibt eine neue Generation von Techno-Künstlern, erstaunlichen Lo-Fi Pop, die Rückkehr von Psychedelia… und all das bewegt sich wirklich schnell. Das ist eine Herausfordung und Imspiration. Mit meiner eigenen Musik möchte ich immer besser werden, es mit einer Live-Show versuchen und schließlich ein Eremit werden. Fragen die Leute dich immer noch nach “Sunglasses At Night”?Und im Nachhinein betrachtet: war dieser Hit eher Fluch oder Segen für dich? Ja, ich werde eigentlich jede Nacht gefagt, ob ich es spiele. Aber ich hab es nie als Fluch gesehen. Ich glaube, dass Glück eine große Rolle im Leben spielt, auch im Leben eines Künstlers. Und mit “Sunglasses At Night” hatte ich eine magische Portion Glück! Der Spirit der Platte war so naiv und optimistisch, dass es mir schwer fällt, etwas Negatives dazu zu empfinden. Tiga spielt am Freitag, den 27. Juni in der Panorama Bar.