Klubnacht + Interview

  • Selway ist einer der wenigen erfolgreichen Techno-DJs und Produzenten aus New York. Nachdem er eine klassische Musikausbildung seit frühester Kindheit (seine Eltern sind Pianisten und Sänger) genossen hat, wurde er Ende der 80er eiskalt von Acid House erwischt. Die Folge: er fegte die Violine mit der halben Roland TB&TR Produktpalette zur Seite und stand schon mit 19 live spielend auf illegalen Warehouse-Parties. Seitdem ist Selway äußerst produktiv, er veröffentlichte auf Labels wie CSM, Serotonin, Feis, Primate, Sino, Ovum, Intec und vielen anderen mehr. Stilistisch ist er dabei und als DJ zwar immer Techno geblieben, aber innerhalb des 4/4-Takts ganz schön variabel: von Detroit zu Italo ist bei ihm alles drin. Eine Art innere Heimat ist New York auch für unseren Panorama-Bar-Gast Mikael Nordgren alias Tiger Stripes. Der Schwede veröffentlichte in den letzten Jahren vor allem auf Big-Apple-Deephouse-Labels wie Ibadan und Nite Grooves, er kooperierte mit Jerome Sydenham und in Stockholm hat er sich als Veranstalter und DJ der Go Bang! Partyreihe längst als House-Größe etabliert. Interview Margaret Dygas Bitte stelle dich vor. Hallo, mein Name ist Malgorzata Dygasiewicz. Du bist in Polen aufgewachsen, mit deiner Familie im Alter von 11 Jahren nach Deutschland gezogen, bevor ihr nach Kalifornien gegangen seit. In New York hast du Mode studiert und hast ab 1999 in London gelebt. Seit letztem Jahr wohnst du nun in Berlin. Als weitgereister Mensch: was fasziniert dich gerade an Berlin? Ich bin jetzt seit etwas über einem Jahr hier und ich liebe die Stadt noch wie am Anfang. Schon vorher fand ich es immer schwer, die Stadt zu verlassen, wenn ich hier zu Besuch war. Im Vergleich zu London bietet Berlin viel mehr Raum, die Leute sind wesentlich relaxter. London war auch großartig, das möchte ich gar nicht anders sagen, aber es war Zeit für einen neuen Trip. Ich liebe die Street Art hier! Berlin erinnert mich ein bisschen an New York in den guten, alten Zeiten. Für mich ist es jetzt meine zweite Heimat, und an meiner ersten bin ich auch näher dran: meine Mutter und mein Bruder leben in Polen. Ich habe gehört, dass du eine ökologisch bewusst lebende Freundin der Esoterik bist. Kannst du uns das etwas erläutern? Ich interessiere mich seit meiner Zeit in New York für den fernöstlichen Lebensstil und seinen Lehren. Zuerst hat mich ein Freund mit Kundalini Yoga vertraut gemacht, Buddhismus und Tao kamen etwas später. Ich befinde mich nach all den Jahren zweifellos immer noch auf einem Anfängerlevel, es gibt einfach unglaublich viel Informationen. Es braucht alles seine Zeit und auch Erfahrung, um verstehen zu lernen. Als ich angefangen habe, mich damit zu beschäftigen, hab ich gemerkt, dass mir die fernöstliche Vorstellung darüber, in welchem Bezug Natur und Geschöpf stehen, näher ist, als die, die im Westen gelehrt wird. Aber natürlich sollte sich jeder frei fühlen, das Leben so zu erfahren, wie er es selber möchte – in gegenseitigem Respekt. Als DJ, in welchen Clubs weltweit spielst du am liebsten? Das kommt wirklich auf den ganzen Vibe an. Ich würde sagen, dass die wichtigsten Faktoren ein gutes Soundsystem und eine Menge Wodka sind! Aber natürlich ist es am allerwichtigsten, was für eine Stimmung auf dem Dancefloor ist. Während einer Nacht eine Art musikalische Konversation mit den Leuten zu führen, kann extrem toll sein. Es gibt auch die als „beste Clubs der Welt“ beworbene Läden mit Millionen von Leuten und null Stimmung. Aber egal, darüber muss man nicht reden. Und um auf deine Frage zurück zu kommen: ich spiele am liebsten Sonntagmorgens in der Panorama Bar! Ich kann das nur auf meiner persönliche Erfahrung und die Anzahl an wirklich toller, verrückter Zeit, die ich dort erlebt habe, zurückführen. Welche Produzenten und Labels gefallen dir zur Zeit? Es gibt so viele inspirierende Musiker, die ich verehre! Wenn ich einen nennen würde, müsste ich alle nennen und das wäre eine zu lange Liste. Ich höre auch zuhause eine Menge Platten, HipHop für Kopfnicker Action und Salsa für die Hüftbewegung. Kannst du mir sagen, warum fast sämtliche Frauen, die Minimal auflegen, eine streng geschnittene Pony-Frisur haben? Mmmmhhh ... das ist lustig! Aber ich kenne gar keine Minimal DJs mit Pony! Und ich bin mir noch nicht mal sicher, wer überhaupt Minimal auflegt. Vielleicht ist meine Definition davon auch eine andere, als die der meisten. Ich denke manchmal, dass die Leute sich manchmal zu sehr auf Kategorien fokussieren und die eigentliche Party als Ganzes aus den Augen verlieren. Mir tut das „Minimal“-Wort echt leid – du Armes! Es wurde so oft gebraucht und missbraucht. Und nun ist es etwas verwirrt, scheint mir. Ich denke, ich bin mit meiner Einstellung nicht alleine: für mich gibt es nur zwei Musikkategorien – gute und schlechte. Kommt immer auf den Geschmack an. Good music – I dance! No good music – I don’t dance! Den Spruch, den es mal auf einem T-Shirt gab, find ich brillant. Ich wünsche mir in der Zukunft etwas weniger Musikpolitik und Bezeichungen und etwas mehr Spaß bitte. Danke! Margaret Dygas spielt am Samstag, den 5. April in der Panorama Bar.