Klubnacht - Interview

  • Zehn Jahre nachdem die im puristischen Hard Wax Style gestempelte MMM-Platte mit dem Track „Donna“ erschien, gibt es nun eine Live-Reunion im Berghain. MMM sind Fiedel und Erik (=Errorsmith), „Donna“ hat seinerzeiten Electro, Techno und Funk auf damals denkbar minimalste Weise verbunden (und zwar längst bevor „Minimal“ ein Schimpfwort wurde) und wurde quer durch sämtliche Szenen als Instant Classic rauf- und runtergespielt. Auch nach einer Dekade frisch wie Gras, beständig wie ein Baum. Ob „Heater“, der neue Track von Samim, das Zeig zum Klassiker hat, wird sich noch erweisen müssen. Momentan räumt das vergnügliche Stück mit Zieharmonika und fröhlichem Gejauchze ordentlich die Dancefloors auf, nix für Puristen aber wie für den Moment geschaffen. Samim spielt heute live mit Unterstützung des Perkussionisten Miguel Toro. Außerdem spielt heute der aus New Jersey stammende DJ und Produzent Dennis Ferrer, der um die Jahrtausendwende mal für Afro- und Gospel-House stand, sich aber seitdem kontinuierlich auch für technoidere Sounds geöffnet hat. Ein Ausnahme-DJ ist er geblieben … Interview Fiedel Bitte stelle dich vor Ich heiße Michael Fiedler und lebe mit meiner kleinen Familie in Berlin. Wie bist du zu deinem DJ-Namen gekommen? Leitet er sich von deinen Nachnamen ab oder warst du schon immer besonders fidel? Der Name leitet sich schon von meinem Nachnamen ab. Irgendwann in der Schule hat man mir diesen Spitznamen verpasst. Es ging in einem russischen Volkslied um eine Birke, die abgeschlagen und aus deren Ästen für den Bettelmann eine Fiedel gemacht wurde. Seitdem heiße ich Fiedel. Dein bisheriges Oeuvre beschränkt sich auf zwei MMM-Platten, die vor zehn bzw. elf Jahren erschienen sind. Warum gibt es jetzt, nach zehn Jahren, wieder einen MMM-Liveact? Das Projekt MMM wurde dieses Jahr von uns aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst. Wir, das sind mein partner-in-crime Erik alias Errorsmith und ich. In der langen Zeit dazwischen war irgendwie immer zuviel los, als dass wir gemeinsam an diesem Projekt weiterarbeiten konnten: Studium, andere Projekte, lange Auslandsaufenthalte, viele Jobs, ein Kind. Jetzt haben wir unsere Zeit so eingeteilt, dass wir wieder Musik zusammen machen. Da haben wir den 10. Jahrestag unseres Tracks „Donna“ zum Anlass genommen, uns mit Liveact und anstehenden Veröffentlichungen zurückzumelden im Geschehen. Du bist einer der wenigen DJs, bei dem seriöser Techno mit Hi-NRG zusammen geht. Wo besteht für dich die Verbindungslinie? Ich mag Abwechslung in meinen Sets. Die ganze Nacht nur seriöser Techno wäre mir zu langweilig. Da passt mir gut gelaunte Musik als Beiwerk hervorragend in den Kram. Musikalisch lassen sich die beiden Stile gut zusammenfügen: Loop-basierter Techno als Grundlage und oben drauf mitreißende Hymnen. Die Stücke haben damals schon das Publikum zum Tanzen animiert, warum sollten sie es denn heute nicht mehr tun? Wie ist deine Einschätzung zum aktuellen Status Quo der Techno-Releases? Vieles, was ich seit geraumer Zeit zu Gehör bekomme, hört sich beliebig und langweilig an. Ich bin kein ausgesprochener Freund von Minimüll; ist mir zu oft seelenlos und ohne Energie. Musik für den Club muss in die Hüften gehen und soll Spaß machen. Sie soll das Publikum anspornen, sich in Rage zu tanzen, soll ihm die Möglichkeit geben, sich auch mal treiben zu lassen, damit man es dann wieder vollkommen zum durchdrehen bringt. Diese Energien vermisse ich häufig bei aktuellen Produktionen und ist auch der Grund, warum ich teilweise auf ältere Musik zurückgreife. Du hast seit Anfang der 90er zwar kontinuierlich aufgelegt, dich aber immer eher zurückgehalten in deiner Präsenz. War DJing nie eine Fulltime-Option für dich? Ich wollte mit anderen Tätigkeiten meine Brötchen verdienen. Die Musik sollte immer Spaß machen und nicht zu einem Job verkommen, der erledigt werden muss, damit man seine Rechnungen bezahlen kann. So kann ich mich jedes Mal aufs Neue auf einen Gig freuen. Und warum hast du in Berlin vor allem auf toughen schwulen Partys gespielt? Angefangen aufzulegen habe ich bei einer schwulen Montagsveranstaltung im Subversiv. Das sollte wohl meinen weiteren Werdegang prägen. Man kommt ja in Berlin nicht um schwules Publikum herum. Es ist sehr speziell und wie ich finde, das beste, was man sich als DJ wünschen kann: aufgeschlossen, feierwillig und hart im nehmen. Wenn dann noch die Mischung der Musik gefällt, ist man ja praktisch wie für einander geschaffen. Fiedel spielt am Samstag, den 4. August im Berghain sowie live als MMM am Samstag, den 1. September – ebenfalls im Berghain.
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