Klubnacht - Hello?! Repeat Nacht + Interview

  • Auch schon länger hatten wir niemanden mehr von Border Community im Haus, dabei gehört James Holdens Romantiktechnolabel zu eines unserer liebsten überhaupt. The MFA (steht für The Mother-Fucking Allstars) sind zwei süße junge Jungs aus England und ihr Live Act wird voraussichtlich genau diese Mischung aus kitschtriefenden Melodien und ordentlich Rumms bieten, für die man die Platten von The MFA auch schätzt. In der Panorama Bar gibt es heute eine weitere Hello? Repeat Nacht, was nur fair ist, weil während der ersten schon alle dermaßen steil gingen, dass eine Wiederholung mal wieder fällig war. Super House Sound. Live kommt noch zusätzlich der südafrikanische Wirbelwind Bodycode dazu, den man vielleicht schon als Portable kennt. Bodycode ist sein Dancefloor-affineres Alias und steht für einen deepen, magischen House-Sound, der sich zwar Roots-orientiert gibt, aber komplett modern klingt. Und zum Abschluss gibt es noch ein DJ-Set von DJ T., der dieser Tage übrigens sein 20jähriges DJ-Jubiläum feiert. Interview DJ T. Bitte stelle dich vor Gestatten: Thomas Koch aka DJ T. Du bist oder warst DJ, Plattensammler,Verleger der „Groove“, Journalist, Produzent,Veranstalter, Club-sowie Label-Betreiber.Würdest du dich heute als junger Mensch wieder derart für „die Sache“ verbrennen? Das, was einen zu all dem treibt und auch diesen Preis im Privatleben zahlen lässt, ist ja die Leidensbereitschaft für die Musik, wenn man die nicht besitzt, steigt man nach ein paar Jahren wieder aus dem Karussel aus. Von daher: ich würds immer wieder so machen. Andererseits: Man kann die heutige Situation nicht mit der von 1991 vergleichen. Damals hat eine Generation von 18- bis 23-jährigen eine weltweite Bewegung angeschoben, jeder hat damals das Gefühl gehabt, die Sache aktiv mitgestalten zu können. Du feierst gerade dein 20-jähriges DJ-Jubiläum. Wenn du all deine Erfahrungen Revue passieren lässt, wie beurteilst du die aktuelle Zeit bzgl. Clubmusik und Partykultur? Es ist das Zeitalter der Reproduktion, der Übersättigung und der Pose. Es gibt so viel gute Musik wie nie zuvor aber auch noch mehr schlechte. Wo uns die neue Demokratie bzgl. Produktionsweisen und Vertrieb hinbringt, muss sich erst noch zeigen. Nach einer Phase der musikalischen Offenheit zwischen 2001 und 2005, schotten die Protagonisten ihre Baustellen wieder mit einem ähnlichen Dogmatismus ab wie zuvor. Allerdings muss man das territorial genauso unterschiedlich bewerten wie den Zustand der Club- und Event-Kultur, da sind wir in Deutschland – ausgenommen die Insel Berlin – im Moment in der Talsohle angelangt. Dafür haben Länder wie Italien und Spanien Hochkonjunktur. Dein Label Get Physical war ja aus dem Stand international erfolgreich. Für manche sah das nach Strategie und Masterplan aus. Wie gehst du damit um, wenn dir gesagt wird, dass Get Physical der Sackgeruch fehlt? So oft kann ich meinen Sack gar nicht waschen, wie er vor Erregung über unsere neuen Releases zu riechen beginnt. Im Ernst: einen Masterplan hatten wir in den ersten Jahren gar nicht, was nicht im Widerspruch dazu steht, dass wir mit dieser Gruppe von sechs Partnern, die allesamt schon über zehn Jahre im Business waren, von Anfang an so professionell wie möglich arbeiten wollten. Aus dem Stand erfolgreich sein, konnten wir aber nur, weil wir mit unserem Sound zufälligerweise in ein Wespennest gestochen haben, sowas lässt sich nicht planen. Und wir haben uns soundmäßig nie irgendwo angebiedert, schon gar nicht bei Minimal, was ja eher Fashion und Pose ist als eine Musikrichtung mit Bestand. Da vermisse ich wiederum den Sackgeruch. Jetzt, nach fünf Jahren haben wir erstmalig einen Masterplan: wir wollen im traditionellen Sinne ein großer Indie werden, der alles releasen kann, fast ohne stylistische Grenzen. Da heißen die Vorbilder schon eher Mute, Warp oder !K7. Dass dieses Modell wenig Identifikationsfläche für Leute bietet, die immer wieder kleine Spezial-Labels für sich entdecken wollen, ist mir auch klar, damit muss ich leben. Deine Mutter hat jahrelang die Finanzen der „Groove“ geregelt. Fandest du diese Art familärer Zusammenarbeit nie ungewöhnlich? Ungewöhnlich auf jeden Fall, prinzipiell finde ich aber an dem Modell Familienbetrieb erstmal nichts verwerfliches. Einem Verwandten die Finanzen anzuvertrauen hat ja auch was für sich. Ungesund wurde das in dem Moment, als uns das ganze nach den ersten 6-8 Jahren, in denen der Apparat noch überschaubar war, über den Kopf zu wachsen begann und wir uns permanent in die Haare bekommen haben. Mittlerweile haben wir wieder genug Abstand zu dem Wahnsinn dieser Jahre und unser normales Mutter/Sohn-Verhältnis zurück. Warum ziehen DJs aus dem Frankfurter Raum eigentlich immer so einen speziellen Typus gestylter weiblicher Fans an? Ich hoffe, ihr zählt mich nicht zu der Spezies „hessischer Edel-Assi in Designerklamotten“? Warum die Stylo-Frauen sich zu dieser, meist herberen Sorte Mann hingezogen fühlen, sollten wir mal die Frauen fragen, vielleicht versprüht der hessische Typ einfach mehr Testosteron, Dominanz, finanzielle Geborgenheit und gesellschaftlichen Status als der Berliner...? (Hihi) DJ T. spielt am Sonntagmittag, 29. Juli in der Panorama Bar
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