Smegma + Interview

  • Der Monat April fängt ungewaschen an und hört ungewaschen auf. Ok, bevor es wieder zu Missverständnissen kommt: Smegma ist unsere Partyreihe, bei der vor allem die Musik schmutzig sein soll. Schwul, aber offen für alle. Es ist ja schließlich Ostern. Heute nacht fällt der Startschuss zum langen Wochenende. Mit dabei natürlich Boris und nd_baumecker, als Gast-DJ haben wir die Italo-Legende Alexander Robotnick verpflichtet. Der Mann veröffentlichte 1983 mit „Problèmes d’amour“ einen der tollsten und einflussreichsten elektronischen Tanzstücke aller Zeiten. Klingt heute noch so frisch wie damals. Nach ein paar weiteren Hits wie „Dance Boy Dance“ widmete er sich den Drogen, bereiste die Welt und spielte daraufhin Panflöte und produzierte sogenannte World Music. Seit gut fünf Jahren ist wieder mit ihm zu rechnen...als spät konvertierter Laptop-DJ mit Performance- und Gesangs-Einlagen. Intervieuw Alexander Robotnick Bitte stellen Sie sich vor Mein Künstlername ist Alexander Robotnick, das heißt „Alexander der Arbeiter“ in Russland. Ich bin Italiener und wohne in Florenz. Mein echter Name ist Maurizio Dami und ich bin wohl der älteste DJ der Welt. Ein Track von mir, „Problèmes d’amour“ von 1983, wird allgemein als Meilenstein der elektronischen Musik angesehen. Während meiner Karriere habe ich mich unterschiedlicher Musik gewidmet und auch an Soundtracks und Installationen gearbeitet. Bereits 1981 gründeten Sie mit Freunden die Dance-Cabaret-Band Avida. Realisierten Sie zu der Zeit, dass Sie damit Teil einer neuen Ära waren? Ja, definitv. Glücklicherweise habe ich schon damals in Florenz gewohnt, der einzigen Stadt in Italien, die Anfang der 80er unmittelbar sämtliche Einflüsse aus Großbritannien und den USA aufgesaugt hat. Die Musik-, Theater-, Kunst- und Design-Szene waren wirklich avantgarde – obwohl die Stadt auf der anderen Seite auch wahnsinnig provinziell war. Manchmal geschehen aber gerade an solchen Orten Wunder! Aber Italo Disco mochten Sie damals nicht, oder? Nein, das haben wir damals nicht als Teil einer besonders fortschrittlichen Bewegung gesehen. Für meinen Geschmack waren diese Leute in den 70ern stehen geblieben. Natürlich war ich zuvor ein Fan von Disco Musik, vor allem funky Sachen wie Chic und Moroder. Von Italo Disco kannte ich nur die wirklich schrecklichen, kommerziellen Sachen ... die Tollen wie „Spacer Woman“ hab ich erst vor ein paar Jahren entdeckt. Aber in den 80ern war ich mehr für Musik wie Joy Division zu haben. Und konsumierten dazu die passenden harten Drogen. Wie haben Sie die 80er Jahre überlebt? Mein Antwort ist die von Edith Piaf....Nooo rien de rien... nooo je ne regrette rien! Was kann ich sagen? Drogen werden heute nicht mehr als Experiment genutzt, sondern als Unterstützung. Und das ist Scheiße! Gerade wenn man von Heroin oder Kokain spricht. Nach einer Weile leidet man stärker unter den Nebenwirkungen als dass man die Substanz noch genießt und dann wird es schwierig. Ein Freund hat mich gerettet, als er den einfachen Satz zu mir sagte: du brauchst das Zeug nicht. In den 90ern sind Sie dann quer durch die Welt gereist und haben so genannte World Music produziert. Ja, ich hab mich immer sehr für andere Kulturen interessiert. Seit den 70ern sammle ich arabische und afrikanische Musik-Kassetten, auch heute liebe ich noch vor allem indische Musik. Auch wenn ich heute nicht mehr an Multikulti glaube, damals hab ich es. Es war toll damals mit Gruppen wie Masala oder The Third Planet zu spielen! Nach einer Weile sind wir jedoch von dieser ganzen Chill Out Musik mit exotischen Samples davongeschwemmt worden – und 9/11 war dann eine Art Schlusspunkt für mich. Aber ich liebe immer noch Indien, vor allem die Menschen und die Tempel Musik. In den letzten Jahren wurden Sie oft auf Homo-Partys gebucht. Mögen Sie es dort zu spielen? Auf jeden Fall! Die Schwulen haben eine exzellente Party Kultur … Alexander Robotnick spielt am Donnerstag, den 5. April live im Berghain.