Klubnacht Silvester 2006 + Interview

  • Sämtliche Residents, zwei Gast-DJs, ein Live-Act, drei Floors, unzählige Überraschungen – und ihr. Die erste Clubnacht 2007 fängt um 1 Uhr nachts an... wir sehen uns auf dem Dancefloor! Daniel Wang Interview Bitte stelle dich vor. Hallo, ich bin Daniel Wang. Amerikaner mit chinesischer Herkunft, in Kalifornien geboren. Ich habe für etwa zwölf Jahre in New York gelebt, aber seit 2003 ist Berlin meine Heimat. Und ich habe diese Stadt sehr lieb... Was bedeudet kulturelle Identität für dich? Wo findest du dich zwischen den Stationen New York-Berlin-Tokio wieder – wo nicht? Das ist eine Frage, die ich mir jeden Tag stellen muss. Vielleicht wie ein gebildeter,jedoch fremd-aussehender türkischer Künstler in Berlin oder wie ein schwarzamerikanischer Schriftsteller in Paris in den 50ern. Ich bin Chinese, doch ich bewundere viele Aspekte der japanischen Kultur. Aber ich muss es zugeben: letztendlich war es das schwule Leben, das mich nach Berlin brachte. Nicht die Sex-Partys jede Nacht, sondern die Öffentlichkeit: Wenn ich diese verrückten Lederkerle und schmusenden Lesbenpärchen in der UBahn sehe, habe ich immer Lust, ihnen zu sagen: danke... eigentlich bin ich genauso wie ihr. Es ist leider eine Klischee, aber der Rest meiner Identität ist dieser Mix aus Asia, Amerika, Europa. Und hoffentlich mit einem bisschen Gefühl für Rhythmus aus Afrika dazu. Du bist ein mehrsprachiger Multiinstrumentalist, man hat auch immer das Gefühl: eine Art interessierter Schwamm. Gibt es ein Instrument, eine Sprache, die du auf jeden Fall noch lernen möchtest? Arabisch wäre eine echte Herausforderung – die Kalligrafie ist wunderschön. In der Praxis würde Italienisch viel Spaß machen, denn es gibt so viele lustige schwule Italiener hier in Berlin. Wenn ich nur richtig Klavier oder Gitarre spielen könnte, so gut wie Herbie Hancock oder Pat Metheney, würde ich dafür schon ein paar Sprachen tauschen! Eine Freundin hat mich gelehrt: man darf keine Angst vorm Instrument haben. Aller Ausbildung zum Trotz, sind die Noten nicht in deinen Fingern, sondern in deinem Kopf. Wenn man weiß, wie man klingen möchte, dann werden die Finger irgendwie die richtigen Noten finden... Du bist oft mit deinem Theremin in Clubs aufgetreten, indem du dieses anachronistisch wirkende Instrument vorgestellt und zu alten Swing-Platten dessen Klangspektrum demonstriert hast. Macht es dir Spaß, in der Rolle des Lehrer und Vermittlers zu reisen? Ich hatte viele tolle Lehrer, und vielleicht fühle ich auch eine Verantwortung in mir. In Fantasien habe ich es mir immer vorgestellt – peinlich, aber wahr! – dass ich ein Lehrer in einer Hochschule irgendwo in Harlem New York bin. Und mit Musik, Büchern und ein paar perversen Filmen aus den 60ern zeige ich den unschuldigen, begeisterten Studenten, dass Wissen und Leidenschaft nicht nur dumme Wörter in Büchern sind... Eine Lieblingsthese von dir lautet: Die heutige Dance-Musik leidet an der Unmusikalität und Faulheit ihrer Produzenten. Warum soll auf Loops basiernde Musik per se schlechte Musik sein? Mmmm... ich will nicht den Eindruck vermitteln, dass ich nur ein sturer Verteidiger der Vergangenheit bin. Ich habe all diese 70er und 80er Platten nie aus Nostalgie gespielt – sondern weil sie musikalisch etwas anbieten, das andere Platten nicht haben. Ich mag auch dieses sehr körperliche Gefühl von Loop-basiertem Techno in eine Trance zu kommen, diese unendliche Bewegung. Doch eine Sache schätze ich vor allem, und das ist Entwicklung. Akkorden, Solos, Emotion. Mit Software-Loops ist das nicht möglich, und es bleibt dann nur die leere Hülle, die man heutzutage als „Tanzmusik“ akzeptiert. Es ist völlig undemokratisch zu sagen, aber: wenn jede Gurke mit ein paar automatisierten Clicks auf dem Laptop „Musik“ machen kann, wo ist dann die Kreativität? Was ist noch speziell? Ich akzeptiere das nicht. Keiner sollte das! Wird es dann jemals wieder eine Kunstfigur wie Grace Jones geben? Komischerweise hörte ich gerade eine deutsche Jazzradio-Sendung im Auto, ziemlich leise, und es gab eine unglaubliche Stimme – grob, direkt, zur gleichen Zeit intelligent und humorvoll. Sie redete auf englisch in einem Jazz-Klub. Der Akzent war schwer zu definieren. Ist das Grace Jones?, dachte ich. Dann machte ich lauter, und es war Hildegard Knef! In den 30er Jahren in Paris haben Leute bestimmt gefragt, als sie Josephine Baker sahen, die mit ihren Leoparden auf dem Champs-Elysee spazierte – wird es jemals wieder so eine Frau geben? Ich höre gerade George Michaels CD „Older“ von 1996 an und denke, niemals in den 70er gabt es solche schönen und ehrlichen Lieder über die Liebe zwischen zwei Männern. Also, solang es immer etwas gibt, das uns noch begeistern kann... Wirst du ein ähnliches Outfit an Silvester beim Auflegen tragen wie an deinen Besuchen zu anderer Zeit im gleichen Etablisment? Du meinst, ich soll als Grace Jones kommen, erst an einer Leine in einem Stahlkäfig, dann im Vollkörper-Issey-Miyake-Kleid?Das ist mir zu kompliziert. Ich komme lieber nackt. Daniel Wang legt am 1. Januar im +++ auf.
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