Klubnacht - Made To Play Nacht + Interview

  • Hardcore is a state of mind, meinte einst ein kluger Raver. Kaum jemand dürfte das so verinnerlicht haben wie der Brooklyner Techno-Pionier Adam X, der Anfang der Neunziger (zusammen mit seinem älteren Bruder Fankie Bones) den traditionell eher House-orientierten Big Apple mit hartem Techno, illegalen Warehouse-Raves und dem Plattenladen Sonic Groove bereicherte. Im Laufe der Jahre wendete sich Adam X immer mehr Industrial und Ebm zu, sein Umzug nach Berlin hat ihn aber auch zu einem anderen Projekt inspiriert: Traversable Wormhole. Inzwischen sechs Maxis hat er veröffentlicht, die sich in ihrem runtergestrippten Bunkersound allesamt perfekt zwischen Marcel Dettmann-, Shed- und Function-Platten machen. Heute live im Berghain. Die Panorama Bar wird heute nach der Made To Play Nacht wieder einmal von Josh Wink bespielt, der bei uns bisher ja immer für musikalische wie athmosphärische Ausnahmezustände gesorgt hat. Interview Traversable Wormhole Bitte stelle dich vor. Hallo, ich bin Adam X. Ich betreibe das Plattenlabel Sonic Groove und war Eigentümer des gleichnamigen Plattenladens in New York. Vielleicht kennen manche mich auch von meinen Projekten Traversable Wormhole oder ADMX-71. Ich bin in den Straßen von Brooklyn geboren und aufgewachsen, inzwischen ist Ostberlin mein Zuhause. Mit deinem älteren Bruder Frankie Bones hast du Anfang der neunziger Jahre die Storm-Raves organisiert. Wie war das damals? Es war total anders als es heute ist. Anfang bis Mitte der Neunziger hat sich Techno musikalisch viel schneller entwickelt als in den letzten zehn Jahren. Es ist jetzt genau 20 Jahre her, dass wir angefangen haben, Techno zu pushen. Zu Beginn sind nicht mehr als 50 Leute zu unseren Partys in leergeräumten Wohnungen gekommen. Jede Party wurde größer und nach zwei Jahren hatten wir 3000 bis 5000 Leute, die in gigantischen Lagerhallen in Brooklyn und Queens gefeiert haben. Die Musik hat sich damals kontinuierlich und in hoher Geschwindigkeit weiterentwickelt. Jedes Jahr hatte einen eigenen, ausgeprägten Sound: Sheffield Bass & Bleep, belgischer Rave Sound, Frankfurter Techno/EBM, UK Hardcore, Hard Acid Techno, Original Minimal von Rob Hood und DBX, Ghetto Chicago Trax, sogar Trance. Damals war es üblich, ein viel breiteres Spektrum an Musik auf einer Party zu hören als heute, wo die meisten Veranstaltungen spezialisiert sind. Es war musikalisch eine tolle Zeit. Unglaublich, dass 20 Jahre seitdem vergangen sind. Du selbst hast deinen musikalischen Stil im Laufe der Jahre auch immer wieder verändert. Was treibt dich an? Lebenserfahrung, Technologie und eine kreative Notwendigkeit, mich auszudrücken, summiert es ganz gut. Die stilistischen Veränderungen, die ich in den letzten zwei Dekaden durchlaufen habe, kommen von meinem Drang, immer neue Sachen in meinem Leben auszuprobieren. Ich langweile mich schnell, wenn ich mich nicht bewegen kann. Das Leben ist ein Wachstumsprozess, meine Musik sollte deshalb ebenfalls wachsen. All deiner Musik ist ein Faible für das Düstere gemein. Warum berührt uns dunkle Musik in der Regel mehr als heitere? Der düstere Oberton in meiner Musik ist der Ausdruck meines Inneren, unabhängig davon, ob Fantasie oder Realität. Ich hab meinen inneren Frieden gefunden mit Dingen und Ideen, die Leute generell als düster einschätzen. Ob es die kalten Winternächte in New York City oder Berlin sind, oder Jugenderinnerungen als Graffiti-Sprayer unter den Straßen in New York. Momentan fotografiere ich sehr gerne stillgelegte Fabrikanlagen in unterschiedlichen Städten, die einst blühende Arbeitsstätten waren. Für mich gibt es eine gewisse Schönheit im Verfall und der Verlassenheit solcher Orte, die mich mit Kreativität durchdringt. Ich interessiere mich außerdem für Fantasy, Weltallforschung, die Zukunft des Planeten Erde, das Jenseits. Dann gibt es Fantasien, die leichter in die Realität umzusetzen sind, wie sexuelle Fetischsituationen mit einer schönen Frau. All diese Sachen haben einen Einfluss auf meine Musik. Selbstdarstellung ist am Ende des Tages das, was mich glücklich macht. Der Tag, an dem ich mich nicht mehr ausdrücken kann, ist der Tag an dem ich unglücklich bin. Und offensichtlich glückliche Musik wird mein Unglücklichsein nicht heilen können. Dein Projekt Traversable Wormhole ist ein stilistischer Bruch zu dem, was du zuvor produziert hast. Was für eine Idee steckt hinter dem Projekt? Es ist Musik, um eine Zeitreise in andere Dimensionen durch ein Wurmloch zu machen. Nicht mehr, nicht weniger! Traversable Wormhole spielt live am Samstag, den 13. Februar, im Berghain.